Soforthilfe für Kultur, Sport und Soziales von der Stadt

04.11.2020

Bis zuletzt hatten wohl alle gehofft, dass wir ihn umgehen können - doch nun ist er da, der zweite Lockdown. Zwar in der "Light-Variante", doch wie bereits im Frühjahr werden Auftritte abgesagt, fallen Ausstellungen aus, bleiben Veranstaltungssäle verwaist und können Sport- und Sprachkurse nicht wie gewohnt besucht werden. Kurz: Voraussichtlich bis Ende des Monats liegt das soziale, kulturelle und sportliche Leben in Hameln wieder einmal brach. Für viele Einrichtungen bedeutet das: Vereinsaustritte, gekündigte Kooperationsverträge, fehlende Mieteinnahmen.

Bereits im Mai nahm die Stadt Hameln - nach einem ersten Soforthilfeprogramm für kleine Betriebe, Freiberufler und Soloselbständige - insgesamt 900.000 Euro in die Hand, um die Existenz von Kultureinrichtungen, Sportvereinen, sozialen Initiativen und Gastronomiebetrieben zu sichern. Das Förderprogramm für die Gastronomie wurde Anfang Juli eingestellt, als Unterstützung vom Bund kam. Für die Sicherung des kulturellen Lebens, für den Vereinssport sowie für soziale Angelegenheiten jedoch blieben jeweils 150.000 Euro im städtischen Fördertopf - als schnelle Hilfe zur Überbrückung, die nicht zurückgezahlt werden muss. Anträge können auch jetzt noch, während des zweiten Lockdowns, gestellt werden - vorerst bis zum 31. Dezember, über eine Verlängerung der Soforthilfe wird derzeit beraten.

Unter welchen Voraussetzungen die Hilfen bewilligt werden können, lesen Sie unter www.hameln.de/corona-hilfen. Hier finden Sie auch alle Ansprechpartner, Richtlinien und Antragsvordrucke zum Download.


Wie Betriebe durch die Krise kommen

04.11.2020

Der „Lockdown light“ zwingt auch in Hameln viele Betriebe in die Knie: Gaststätten und Restaurants müssen schließen, Hotels und Pensionen dürfen keine Touristen mehr aufnehmen, Fitnessstudios bleiben geschlossen. Damit trifft es viele der ohnehin schon belasteten Branchen besonders hart. „Die Signale, die wir aus der Wirtschaft erhalten, sind bedrückend“, sagt Oberbürgermeister Claudio Griese. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Hameln startet deshalb ab sofort eine Beratungsoffensive.

„Wir wollen den Betrieben den Weg zu Förderprogrammen des Bundes und des Landes aufzeigen und sie bei der Antragsstellung beraten, um die Folgen des erneuten Lockdowns zu mildern“, formuliert Griese das Ziel der Verwaltung. Oft sei es für Betriebe schwer, sich im „Förderdschungel“ zurechtzufinden. Damit am Ende tatsächlich die benötigten Mittel fließen, müssten häufig hohe Hürden überwunden werden.

Hier setzt die Arbeit von Scott Kohlberg an, Fördermittel-Experte im Team der Wirtschaftsförderung. „Ich kümmere mich individuell um jeden einzelnen Betrieb und versuche, passende Lösungen zu finden“, verspricht Kohlberg. Seine Unterstützung bietet er telefonisch oder per Video-Chat an. Bei Interesse können sich Betriebe bei ihm unter der Telefonnummer 05151/202-3230 oder per Mail unter scott.kohlberg@hameln.de melden.

Kohlberg hat besonders die „Überbrückungshilfe II“ des Bundeswirtschaftsministeriums im Blick. Das Programm richtet sich an Unternehmen jeder Größe, Soloselbstständige und Angehörige der freien Berufe. Wer einen Umsatzeinbruch verzeichnet, kann bestimmte Fixkosten wie Mieten und Zinszahlungen geltend machen. Beispiel: Bei einem Umsatzeinbruch von mehr als 70 Prozent liegt der Zuschuss bei 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten. „Für Betriebe ist dieses Programm eine große Chance, die schwierige Zeit zu überstehen“, betont Kohlberg.

Noch liegen dem Wirtschaftsförderer keine näheren Informationen zu den angekündigten neuen Programmen des Bundes vor. Auch hier werde er die Betriebe beraten, sobald die Förderprogramme auf dem Tisch liegen, kündigt Kohlberg an. Dies gelte auch für das vom Land Niedersachsen geplante Sonderprogramm für die Gastronomie. Außerdem plant das Land noch Sonderprogramme für die Veranstaltungswirtschaft, das Schaustellergewerbe, Reisebusunternehmen sowie Taxi- und Mietwagenbetriebe.


Wort zum Samstach

31.10.2020

Im Grunde bin ich ja Hundefreund und mag die irgendwie alle. Aber meinen Nachbarn nicht, also den zur linken Seite. Nun hat der aber eine dänische Dogge, die echt kernig ist.  Alles an und von ihr ist riesig. Aber weil sein Massa den Hund zu oft und zu lange allein lässt, kommt der auf blöde Ideen. Eine davon: Raus durch die Hundeklappe und schnurstracks in meinen Garten gerannt und abgedrückt. Haufenweise stinkende Erinnerungen an Rudi, so heißt der Riese. Ich werfe das dem Tier nicht vor, muss ja irgendwo hin mit seinen Verdauungsprodukten. Aber mein ignoranter Nachbar behauptet steif und fest, das könnte nie und nimmer von seinem Hund sein, weil der brav ins Katzenklo schettert – im Haus! Andere Sache, will ich lieber nicht kommentieren. Jedenfalls beiße ich mit meinen Beschwerden auf Graphit. Kalle hatte eine geniale Idee: Ich sollte den Hund trainieren, seinen eigenen Mist im Hundebeutel mit nach Hause zu nehmen und da irgendwo abzulegen. Wie man einem Hund so was beipult, hat mir ein Hundetrainer gezeigt – für jeden Meter fehlerfreien Transport ein Leckerli, bis er es gerafft hat. Seit drei Wochen kann er das, ist dabei aber auch deutlich fetter geworden (ich kaufe nur die besten Leckerli). Ich habe mich schon gewundert, wo er wohl die ganzen Beutel, eher Müllsäcke, lässt, immerhin drei am Tag. Bis vor zehn Tagen mein Nachbar vor meiner Tür rumbrüllte, was mir einfällt, die ganzen Schietbüttel durchs Fenster in seinen Werkzeugkeller zu schmeißen und seit wann ich überhaupt einen Hund hätte. Ich schlug ihm vor, mich bei der Polizei anzuzeigen und auch gleich einen DNA-Test von einem Schietbüttel machen zu lassen. Mit dem Ergebnis kann man dann die Rasse ermitteln. Was soll ich sagen, der ist voll drauf abgegangen. Das Testergebnis war eindeutig: Dänische Dogge! Nun redet er nicht mehr mit mir und wird jedes Mal knallrot, wenn wir uns sehen. Meinen Hund sucht er allerdings immer noch, guckt über den Zaun und so. Einziges Problem: Rudi will mir nun immer auf den Arm springen, und dann werde ich rot.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Stadt will nur kranke Bäume fällen lassen

30.10.2020

An der Holtenser Landstraße sollen nicht so viele Bäume gefällt werden wie ursprünglich geplant. Oberbürgermeister Claudio Griese macht sich für einen Kompromiss stark, nach dem nur noch tatsächlich erkrankte Buchen der Säge zum Opfer fallen sollen. „Alle anderen Bäume bleiben stehen“, betont der Rathauschef. In Zahlen bedeutet das: Statt wie zunächst vorgesehen 260 müssten nunmehr voraussichtlich 170 Buchen fallen.

Die geplanten Waldarbeiten an der Holtenser Landstraße waren in den vergangenen Tagen auf teils heftige Kritik gestoßen. Griese verteidigt den grundlegenden Ansatz: Die Stadt sei verkehrssicherungspflichtig – und hafte dafür, wenn Verkehrsteilnehmer durch herabstürzende Äste geschädigt werden.

Und die Gefahren seien zweifellos da. „Insbesondere Buchen sind durch die trockenen Sommer der vergangenen Jahren stark gefährdet“, begründet Griese das Vorgehen der Stadt. Dieser Trockenstress führe dazu, dass Buchen „jederzeit dicke Zweige oder Äste abwerfen können, auch wenn sie äußerlich noch vital aussehen“. Wenn dann noch – wie in den vergangenen Jahren immer häufiger geschehen – schwere Stürme über das Weserbergland hinwegfegen, könne man „für nichts mehr garantieren“. Den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für den Erhalt der Bäume an der Holtenser Landstraße einsetzen, müsse klar sein, „dass die Stadt hier in der Verantwortung stehe und kein Risiko eingehen dürfe“.

Bereits im Januar dieses Jahres hatte nach Darstellung der Stadt die Straßenmeisterei des Landkreises die Situation an der Holtenser Landstraße „angemahnt“. Daraufhin seien punktuell Bäume entfernt worden. Die Stadt habe zugesagt, die Situation grundlegend entschärfen zu wollen. Forstamtsleiter Carsten Bölts nennt den Klimawandel als Hauptursache für die zunehmenden Baumschäden. „Geringerer Niederschlag und höhere Durchschnittstemperaturen führen vermehrt zu Baumkrankheiten und Schädlingsbefall.“ Das Gefährliche sind nach Worten von Bölts nicht allein die offensichtlich kranken Bäume, sondern die von außen noch gesund wirkenden Bäume, die bei regulären Sichtkontrollen nicht auffallen.

Die Stürme im Februar dieses Jahres hatten nach Angaben aus dem Rathaus zu massiven Beeinträchtigungen und gefährlichen Situationen auf den Straßen geführt. Die Krumme Beeke (Verbindung zwischen Holtensen und Rohrsen) musste für eine Woche gesperrt werden, um umgestürzte Bäume zu beseitigen. Der Finkenborner Weg war ab Juli komplett gesperrt, da die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden konnte. Beide Straßen führen durch dicht bewaldete Gebiete.


Hin und weg und wieder da

29.10.2020

Die Wege nach Hameln sind oft weit und verschlungen. Und so mancher kommt hier mehrfach an, um am Ende doch zu bleiben. Wir haben einen davon kennengelernt.

Kennt Ihr Bilgin Onur? „Welchen denn?“, werdet Ihr fragen. „Den Schneider und Raumausstatter, der sein Geschäft in der Innenstadt hat?“ „Oder den Vorsitzenden der islamischen Gemeinde in der Hunoldstraße?“ „Oder das Vorstandsmitglied im ehemaligen ‚Forum Ausländer‘, das es heute nicht mehr gibt?“ Ja, ja und ja. Alles richtig, denn es ist ein und derselbe Bilgin. Er war aber noch mehr – Taucher, Volleyballer, Boxer und Surfer. Urlaubstaucher ist er heute noch. Nun sind wir schon mittendrin. Nochmal zurück.

Jetzt mal richtig

Ein anderer Anfang wäre dieser: Bilgin Onur wurde in Istanbul geboren und zog 1972 mit zwölf Jahren nach Hameln, wo seine Eltern und Geschwister bereits lebten. Hier ging er bis zum Abi in die Schule und zog dann nach Hamburg, um Betriebswirtschaft zu studieren. So der Plan. Als sein Vater erkrankte, kam Bilgin nach Hameln zurück, um ihn zu unterstützen. Er lernte erst den Beruf des Scheiders und setzte später den des Raumausstatters drauf. Wenn schon, dann richtig. Er arbeitete im Traditionsunternehmen Opitz und übernahm nach dessen Schließung die ganze Abteilung mit allen Mitarbeitern und machte sich selbständig und hat bis heute ein erfolgreiches Familienunternehmen. Ach ja, Familie. Mit seiner Frau hat Bilgin vier Kinder, der einzige Sohn ist klar in der Minderheit. Zwei von ihnen leben in Hameln. Alle vier gehen den unterschiedlichsten Berufen nach. Die Freundschaften, welche seine Kinder früh schlossen, halten bis heute.

Offene Gesellschaft

Bilgin schätzt an Hameln die Übersichtlichkeit („wie ein Dorf“), die kleinen Geschäfte, von denen es aber nicht mehr viele gibt. Er freut sich an einer offenen Gesellschaft und der guten Nachbarschaft, den Kindergärten und der guten Sprachförderung, von der alle Kinder profitieren. „Sprachförderung ist für ein Einwanderungsland wie Deutschland immens wichtig und hilft sehr“, sagt er. Aus dem gleichen Grund bietet die islamische Gemeinde, deren Vorsitzender er seit 1980 ist, Unterricht für verschiedene Sprachen für Kinder und Erwachsene an, unter anderem Türkisch, Deutsch, Arabisch. Rund 50 Kinder kommen regelmäßig samstags und sonntags von zehn bis 13 Uhr. Angeboten werden auch Kurse in Verkehrssicherheit, Familienberatung. Außerdem kümmert sich die Gemeinde in Kooperation mit dem Landkreis um den Andachtsraum und das Angebot von Halal-Speisen im Sana-Klinikum. Weiterhin gibt es Kooperationen mit der Volkshochschule und diversen Vereinen.

„Hameln bietet viel, könnte aber für Jugendliche mehr tun“, sagt Bilgin. „Wir brauchen mehr Perspektiven für die jungen Menschen, auch Arbeitsplätze, weil sie sonst die Stadt verlassen oder nicht hierher kommen.“ Das Aushängeschild für Hameln, Bilgin? „Historisch ganz klar der Rattenfänger. Aber das jährliche Fest zum Fastenbrechen am Ende des Ramadan, das Eid al-Fitr, ist eine Riesenwerbung für Hameln.“ Überraschung.

Es hilft, sich zu kennen

Eines ist Bilgin besonders wichtig, und das ist Respekt voreinander. „Für ein gutes Verständnis ist es wichtig, sich persönlich zu kennen und miteinander zu sprechen“, sagt er. Und weil das hier so ist, gibt es bestimmte Konflikte nicht, die in größeren Städten vorkommen, wo die Anonymität größer ist. „Wenn man sich kennt, kann man schneller reagieren.“

Ach ja, es gibt noch mehr Bilgin Onurs. Den, der Vorträge hält, der sich für Bildung und Kultur einsetzt. Doch unser Platz endet hier. Schade, oder?


Kein Weihnachtsmarkt in Hameln

29.10.2020

Bis zuletzt gab es noch Hoffnung. Doch die wieder gestiegenen Infektionszahlen lassen dem Landkreis Hameln-Pyrmont und der Stadt Hameln keine andere Wahl: In diesem Jahr wird es in Hameln keinen Weihnachtsmarkt geben, der Budenzauber wird auf 2021 verschoben. „Es ist eine Entscheidung, die uns sehr schwer gefallen ist“, sagt Oberbürgermeister Claudio Griese.

Aber immerhin: Lichterglanz und Tannenbäume sollen in der Innenstadt trotz Corona-Pandemie für weihnachtliche Atmosphäre sorgen, an einzelnen Verkaufsständen können Kunsthandwerk und Süßwaren angeboten werden. Und auch ein Kinderkarussell soll möglich sein. Vom einem „Weihnachtsmarkt light“ möchte Rathauschef Griese nicht sprechen. Ein Ersatz für das, was wir als Weihnachtsmarkt kennen, sei das Alternativkonzept gewiss nicht. So werden Glühwein und Bratwurst tabu sein, allenfalls Mandeln, Lebkuchen und andere Süßigkeiten, die für den Verzehr zu Hause gedacht sind, dürfen verkauft werden.

Griese sieht die einzelnen Verkaufsstände als Chance, dazu beizutragen, „dass es trotz der Corona-Pandemie in der Innenstadt nicht grau und trüb aussieht“. Dieses stark reduzierte Konzept werde vom Landkreis Hameln-Pyrmont mitgetragen. Oberbürgermeister Griese und die Mehrheit der Fraktionsspitzen haben sich darauf verständigt, dafür die Sondernutzungssatzung zu ändern. Die Verkaufsstände könnten demnach voraussichtlich am 1. Dezember öffnen.

Bereits der ursprüngliche Plan der Stadt sah einen anderen Weihnachtsmarkt als gewohnt vor: Die einzelnen Buden sollten – weit auseinandergezogen – über die gesamte Fußgängerzone verteilt werden, um Abstandsgebote einhalten zu können. Die Gesamtzahl der Buden hätte dabei kaum verringert werden sollen. Gemeinsam mit der Hameln Marketing und Tourismus GmbH hatte die Stadt ein entsprechendes Hygienekonzept erstellt und mit dem Gesundheitsamt des Landkreises beraten.

Für diesen Plan kommt nun das Aus. „Uns war von vornherein bewusst, dass ein Weihnachtsmarkt nur dann stattfinden kann, wenn die Infektionszahlen es zulassen“, betont OB Griese. Aufgrund des aktuell starken Anstiegs der Fallzahlen sei konsequentes Handeln erforderlich, um die Pandemie einzudämmen. „Die Sicherheit für Beschicker und Besucher hat für uns oberste Priorität“, begründen Landrat Dirk Adomat und OB Claudio Griese die gemeinsam getragene Entscheidung.

Für die Marktbeschicker sei es wichtig, nun Klarheit zu erhalten – so bitter die aktuelle Nachricht auch sei. Griese: „Wir bedauern sehr, dass den Beschickern in dieser für sie schwierigen Zeit eine weitere wichtige Einnahmequelle wegbricht. Dies bedeutet für viele eine ernste Bedrohung ihrer Existenz.“


Wort zum Samstach

24.10.2020

Neulich habe versucht, meine Versicherung anzurufen, Kalle hatte sich auf meinem Grill die Hand verbrannt, weil er wieder nicht warten konnte. Meint er doch, das muss meine Pflichthaft bezahlen. Erreicht habe ich erstmal keinen, dann eine Frau mit vollem Mund. „Sorry, ich kaue eben auf.“ Die war aber nicht zuständig, musste auf einen Fach-Kollegen weiterleiten, der nach fünf Minuten ranging, aber erst mit seinen Kindern spielen musste. Sein Vertreter grölte fröhlich: „Herr Hacke, super, dass Sie anrufen. Kann ich eben noch meine Hecke zu Ende schneiden? Nach zwanzig Minuten war wieder die Frau mit vollem Mund dran und schmatzte:“ Na, Herr Hacke, jetzt kennen Sie uns alle, haha.“ Was da los war? Die waren alle im Heimbüro, also abgetaucht. Als meine Oma Heimarbeit machte, also Socken, Pullover und so, da war sie immer erreichbar für mich.

Habt Ihr mal dran gedacht: Da sitzen nun tausende von Menschen zu Hause am PeZeh und tun so, als würden sie arbeiten. Andere Sache. Hat ja echte Vorteile – richtig große Privatfähre, kein schlechter Atem der Kollegen, kein hüperventilierender Boss mit Kontrollwut, eigenes Klo. Es könnte alles grandios sein. Wären da nicht diese merkwürdigen Texte auf den gelben Zetteln, die jetzt vermehrt die Arbeitgeber erreichen und mit denen dieser paradiesische Zustand in Verruf gerät. „Sturz vor der Kaffeemaschine“, „Im Bad ausgerutscht beim nachmittäglichen Duschen“, „Prellung nach Balgerei mit den Kindern“, „Zeh abgetrennt mit dem Spaten bei Gartenarbeit in der Mittagspause“. Also, ich weiß nicht.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Wort zum Samstach

17.10.2020

Kalle, Bärbel und ich wollen die Kultur unterstützen, ist ja schwer gebeutelt die Brangsche. Also gehen wir öfter zu Konzerten, neulich erst. Weltklassemusiker in Hameln, da muss man doch hin, oder? Das haben wir aber echt nicht besser gewusst. Der Veranstalter hatte sich viel Mühe gegeben mit dem Aerosolverbreitungsverhinderungskonzept und so, die moderne Belüftung zog mir den Schmalz aus den Ohren. Meinen Sitznachbarn konnte ich nur mit dem Fernglas erkennen – der kam auch aus Tündern, andere Geschichte. Gut, dass der so weit weg saß. Alles knorke also. Die Musik war der Hammer. Muss man ja echt bewundern, die Musiker, wenn die für so wenige Leute voll abgehen. Das nennt man wohl pure Bastion. Dumm nur, dass wir alle drei nach dem fümpften Lied nix mehr mitgekriegt haben. Wir waren sternhagelvoll, auch Bärbel, die braucht sonst länger. Es gab an dem Abend nämlich nur Liter-Flaschen im Ausschank. Und weil es keine Pause gab, haben wir uns bevorratet, jeder drei Bier bestellt und das Drama nahm seinen Lauf. Es stand ja nirgends, dass es nur die großen Pullen gibt, und zurückgeben geht gar nicht, voll peinlich vor den anderen aus Tündern. Und wir trinken jedes Bier in drei Zügen aus, ohne Ausnahme. Mehr muss ich wohl nicht sagen, oder? Auf jeden Fall jede Menge innerer Rock‘n‘Roll, hat was.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Wort zum Samstach

10.10.2020

Kalle ist wieder da! Ihr wisst schon, der sich von mir losgesagt hatte. Schwamm drüber. Beim Versöhnungsgrillen kamen wir auf eine Geschäftsidee, mit der wir jetzt durchstarten. Gewerbe ist schon angemeldet – die im Amt haben etwas ungläubig geguckt. Uns fällt auf, dass die Leute sich gar nicht mehr richtig miteinander unterhalten können. Sie stehen maskiert in Warteschlangen, sind genervt und dödeln mit ihren Smartphönern. Man könnte doch einfach mal mit den anderen Wartend-Innen, Herrgott!, sprechen. Ganze Sätze, wie früher. Aber die Menschen haben keine Themen mehr, schon gar keine wichtigen. Daher liefern wir ab sofort welche, kostet erstmal nix. Hier das erste: Über Bankräuber wird viel zu wenig gesprochen, besonders jetzt. Diese Berufsgruppe hat es grad sehr schwer, weil ihre Arbeitskleidung eine Maske ist, damit sie unerkannt bleiben bzw. als Räuber erkannt werden. Tja, nun trägt aber jeder eine, auch in Banken. Wie soll man jetzt die Diebe von den anderen unterscheiden? Mal drüber nachgedacht? Einfach pauschal alle verhaften geht wohl kaum. Sollten also die Räuber zwei Masken tragen, also doppelte Maskenpflicht? Oder gar keine? Wie sollen die Bankleute sonst wissen, wem sie das Geld geben sollen? Darüber könnt ihr lange diskutieren. Schickt uns gern eure Ideen für Themen und werdet „Mitarbeiter des Monats“ der „U&K GbR“.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Ist das hier Disneyland?

09.10.2020

Es gibt viele Geschichten um Deutsche, die nach Amerika auswanderten. Wie viele aber gibt es über Amerikaner, die ins Weserbergland zogen? Hier ist eine.

Rachel lebt seit 38 Jahren in der Nähe von Hameln, genauer gesagt in Höfingen. Und sie entdeckt immer noch neue Kleinigkeiten, die sie faszinieren - Holzschnitte, Gesichter und Geschichten, Inschriften – all dies sieht Rachel Dohme in Hamelns Altstadt, und vieles zum ersten Mal. Nach all der Zeit.

„Anfangs dachte ich, wow, das ist alles so niedlich hier, wie in Disneyland“, schmunzelt sie. „Aber nein, es ist keine Museumsstadt, denn die Straßen – nicht aus Asphalt – sind belebt.“ Als Pfannkuchen-Fan ist sie hier gut aufgehoben, womit die Frage nach ihrem Lieblingsrestaurant auch gleich beantwortet ist. Es liegt in einer der kleinsten Straßen der Stadt, ganz so, wie sie es mag.

Die neue Heimat

Aber, wie kam das, damals, 1982, USA und Hameln? Ihre Heimat ist in Pennsylvania, wo ihre Familie heute noch lebt. Rachel ist Jüdin, ging in Pennsylvania zur Schule, Kleinstadt, studierte anschließend Special Education (Sonderpädagogik) und unterrichtete an mehreren Schulen in Maryland, California und Pennsylvania. So wäre das vielleicht auch geblieben, wäre ihr nicht ein Mann über den Weg gelaufen, der an der Pennsylvania State Universität als Biologe arbeitete. Ihr Leben schlug eine andere Richtung ein, nach fünf Jahren wurde das Weserbergland ihre neue Heimat - ihr Mann hatte die entscheidende Frage gestellt und hatte wohl ein deutliches Ja gehört. Auch hier arbeitete Rachel zunächst an einer Schule, diesmal eine der US-Streitkräfte in Hessisch Oldendorf.

Fünfzehn Jahre nach ihrer Ankunft gründete Rachel die liberale jüdische Gemeinde in Hameln, die heute mehr als 200 Mitglieder hat und einen großen Beitrag zur Wiederbelebung jüdischen Lebens in der Stadt leistet. „Ich war hier die erste Jüdin, eine Gemeinde aber gab es nicht, als ich ankam“, sagt sie. Inzwischen gibt es wieder eine Synagoge, die genau dort steht, wie früher die alte auch stand. Ein Ort des Gottesdienstes und der Begegnung. Und hier müssen Frauen nicht auf die „Frauen-Empore“, wie sie es noch in der Orthodoxen Synagoge Hannover erlebt hatte. Bis zu 50 Schulklassen und kirchliche Gruppen kommen pro Jahr zu Besuch, und viele andere Besucher. Das Interview wird immer wieder von fragenden Gästen oder nach dem Yoga-Kurs suchenden Senioren unterbrochen. Und unten rund 150 Menschen, die auf den russischen Konsul warten. Was für ein Gewusel! Mittendrin Rachel, die alle Fragen höflich und geduldig beantwortet, in die Kamera lächelt. Dann musste auch „schweren Herzens“ die Synagoge geschlossen werden, als das Leben runtergefahren wurde. Was das Herz leicht macht, sind Rachels Tochter, ihre zwei Kinder und ihr Mann, die eigentlich in New York leben und nun hier sind.

Alles im Fluss

Haben wir schon erwähnt, dass Rachel gern in der Natur ist und Wasser liebt, wenn es fließt? Machen wir jetzt. Nachteil Höfingen, hier gibt es nur ein Flüsschen, aber die Weser ist nicht weit. „Ich bin gern in den Feldern und sehe, wie sich die Natur mit den Jahreszeiten verändert.“ Fragen wollen wir noch nach den Vorzügen Hamelns. Die Stadt sei pluralistisch, sagt Rachel. Viele Geschichten und Gesichter, Jung und Alt, verschiedenste Kulturen. Wichtig ist ihr der Dialog mit anderen, denn der ist die Grundlage für Verständnis und Toleranz. Aus Liebe zur Religion ist sie auch die jüdische Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Wieder Dialog.

Wie sind denn die Hamelner so? „Freundlich und zurückhaltend hilfsbereit.“ Wie jetzt? „Wenn man fragt, wird man mit Hilfe überschüttet. Aber, man muss fragen.“


Wort zum Samstach

03.10.2020

Das Wort zum Samstach

Klar, Hameln ist angenehm. Aber sind das auch alle Hamelner? Ich habe mal gesammelt: Von A bis Z sind da genau 37 verschiedene Arten der Beleidigung zusammen gekommen, die allein mir entgegen- oder nachgeschleudert worden sind – bisher. Von wem? Muss ich es sagen? Von Radfahrern im Allerheiligsten, in der Fußgängerzone. Manche geben sich richtig Mühe mit Erklärungen, warum es grad ganz ungünstig ist, abzusteigen. Oder sie fragen, ob ich bei der Stasi war. Und so weiter. Das kennt Ihr sicher selbst, muss ich nicht weiter breitlatschen. Ich habe nachgedacht, vielleicht sind die Radler so auf Krawall, weil eine große Verschwörung im Gange ist, gegen die Grundrechte freier Pedalomanen, für die rotgemalte Fahrradstreifen auf Straßen nicht reichen, die fett behelmt mit dem E-Bike im Tempo-Rausch durch menschliche Slalomstangen brausen können wollen. Und wer steckt dahinter? Bill Gates, der die Welt auf das neue Windows-Bike vorbereitet, für das man jedes Jahr ein teures Update kaufen muss. Und das hat dann ein Navi, das die Fahrer an jeder Fußgängerzone vorbeilotst. Und genau das wollen die nicht.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Kampf um die Altstadt

30.09.2020

Wie eine mikrogeschichtliche Analyse über Altstadtsanierung und Heimweh zusammenpassen.

Dies ist eine Geschichte einer jungen Frau mit einem großem Herzen, die Yuki und Yami ein neues Leben schenkte. Zwei Katzen, denen übel mitgespielt worden war. Bei Angelina vergessen sie, dass sie halb blind sind (Yuki) und nur drei Beine haben (Yami). Es ist die Geschichte der Erkenntnis, wie wichtig Heimat sein kann, wenn man sie von außen sieht. Und es ist die Geschichte vom „Kampf um die Altstadt“.

Schwarz-Grün

Vor uns steht Angelina, stilvoll in ultraleichte Lagen Schwarz gehüllt, cooles Outfit. Dass sie leidenschaftliche Hochanbeeterin ist, hätten wir nicht erwartet. Überraschung! Tomaten, Gurken, Kürbisse, Sellerie und mehr gedeihen auf ihrer Terrasse im ersten Obergeschoss. Als in Lauenstein geborenes und bekennendes Landei liegt ihr, wie ihre Familie es ihr mitgab, alles Gemüse im Blut – wie wohl ihr Blutbild aussieht, das große.

Nach dem Abitur an der KGS in Solte (für Kenner) wandte Angelina sich dem Journalismus zu und begann in Gießen ein Studium der Geschichte und Fachjournalistik-Geschichte. Nach sieben Semestern stand die Bachelor-Arbeit an, ein Thema musste her. „Mir war sofort klar, dass es etwas mit Hameln zu tun haben muss“, sagt sie. Warum? Es war etwas in Angelinas Herzgegend passiert.

Absence makes the heart grow fonder

Während dieser Zeit merkte sie, dass ihr Hameln fehlte. Dieses wohlige Kribbeln, das sich während ihrer Heimatbesuche in ihr breit machte, musste einen Grund haben. Und als ihr Freund eines Tages zu ihr sagte, „Hier könnte ich leben“, fiel der Groschen säckeweise. Angelinas Blick für die Schönheit der Gebäude, Natur und Details ihrer Heimat öffnete sich, und sie machte genau das zum Thema ihrer Arbeit mit dem Titel „Kampf um die Altstadt“. Aufschlussreich, empfehlenswert. Heißer Lese-Tipp für Hamelner.

Es überrascht nicht, dass Angelina beschloss, wieder nach Hameln zu ziehen. Ihr Weg zur Arbeit in der Marketingabteilung eines hiesigen Unternehmens führt die Geh-Fanatikerin an der Weser entlang. Kennt ihr das Gesellschaftsspiel „Pen and Paper“? Eine Runde zu sechst kann locker mal 14 Stunden dauern. Es gibt sie also doch noch, die Spieler. Angelina ist so eine. Und noch viel mehr, wenn wir hier nicht am Ende wären…


Das Wort zum Samstach

26.09.2020

Mein Freund Kalle hat sich von mir getrennt. Erstmal. Er sagt, mit linken Socken will er nichts zu tun haben. Er ist schon der zweite, der meint, ich hätte mich politisch verändert. Ich hätte wohl besser für mich behalten, dass ich von Claudio zum Kommu-, äh, Kolumnisten ernannt worden bin. Jetzt habe ich den Salat, muss mir jede Woche was Neues ausdenken und kann mir neue Freunde suchen. Tolle Wurst. Wie komme ich da jetzt durch? Ich bin ja heilfroh, dass ich wieder unter Leute kann, wobei mir diese eins-fünfzig Abstand echt auf den Zünder gehen. Drei Meter und mehr wären mehr mein Ding. Aber diese Masken haben einen fetten Vorteil: Sie sind echte Humor-Barometer, weil man ja außer den Augen nicht viel sieht. Und wer einen blöden Witz reißt, der nur als solcher zu erkennen ist, wenn der Erzähler eine „Du musst jetzt lachen“ Visage zieht, kann jetzt einpacken. Mit Augenzwinkern allein kommt man da nicht weit. Mal sehen, wer jetzt die richtig guten Kracher rauslässt. Und Ironie ohne Gesichtsansicht ist auch so ein Ding.

Aufrecht bleiben, Euer Ulf!


Er steigt der Kirche aufs Dach

25.09.2020

Soest, Schaumburg, Hamburg? Lieber doch Hameln – Joachim weiß genau, wohin er gehört.

Seit 1984 ist Joachim Ruppel der Mann in der Münstergemeinde, ohne den nicht viel geht. Und er ist dort der einzige seiner Art. Küster in der Hamelner Münsterkirche

St. Bonifatius und im Haus der Kirche, kann ja kein großes Ding sein. Oder doch? Kleiner Auszug aus seiner Jobbeschreibung: Vor­ und Nachbereitung jeder Veran­ staltung, auch der Gottesdienste, Licht, Heizung, Kerzen – alles an und aus und in Ordnung halten –, Altar vorbereiten, Stühle, Kollekte, Türen, Reinigung dieses Riesenge­ bäudes mit diversen Räumen, Winkeln, Ecken und enormer Grö­ ße. Künstlerbetreuung und oft auch Tontechnik bei Kulturveran­ staltungen. Informationen für Be­ sucher der Kirche gehören genauso dazu wie Strom und Wasser im Blick zu haben. Dann rüber zum Haus der Kirche in die Emmern­ straße. Wir haben ja nur mal ge­ fragt. Auf Fulltime sind wir von allein gekommen, danke.

Während der langen Pause ohne Veranstaltungen war allerdings nicht weniger zu tun. „Wir haben eben Frühjahrsputz gemacht. Alle Ecken ausräumen, Nebenräume grundreinigen, Gesangbücher re­ parieren, Turm reinigen. Erstaun­ lich, was man da alles schafft, wenn es keine Unterbrechungen gibt“, blickt Joachim Ruppel zurück. Die Menschen haben ihm jedoch sehr gefehlt.

Kann das Zufall sein?

Sein Leben beginnt in Soest, spielt sich dann bis zum Ende der Schul­ zeit in Schaumburg und den Schul­ orten Rinteln und Duderstadt ab. Seine Familie lebt mit sechs Kin­ dern auf einem Bauernhof. Schule fertig, Funkerausbildung bei der

Bundeswehr und anschließend Ausbildung zum Bankkaufmann in Hameln. Bis dahin ist das eben ein Lebenslauf, der vielleicht so oder so ähnlich geplant war. Dann die­ ser Abi­Ball in Hameln, auf den er seine Schwester begleiten soll. Macht er auch und trifft dort zum ersten Mal auf eine Frau, die seit­ dem Teil seines Lebens ist, Beate. Sie teilen seitdem vieles, auch die Hündin Hexi, die sie aus Griechen­ land nach Hameln gerettet haben. Die beiden Töchter möchten wir allerdings auch nicht verschweigen.

Zwischenstation Hamburg

Nach der Ausbildung ist der der Job im Bankwesen nicht seins und in Joachim reift der Wunsch, bei der Kirche zu arbeiten, womit er auch gleich anfängt, ehrenamtliche Kinderarbeit vor den Toren der Großstadt. Und dann ruft sein Schwiegervater aus Hameln an und erzählt von einer Stellenanzei­ ge in der Zeitung, Küster gesucht. Das Nachdenken hat Joachim schnell hinter sich. Vorgestellt, eingestellt, dabei geblieben. Das war vor 36 Jahren.

„Von Kultur bis Kaufen hat Hameln alles, was ich brauche“, sagt er und hebt besonders das Theater hervor. Es gibt wenig, was Joachim an Hameln nicht gefällt. Vielleicht die Größe, die Stadt könnte etwas kleiner sein, dann wäre alles top, sagt er. Landkind eben. Er bedau­ ert, dass in der Innenstadt immer weniger interessante Geschäfte existieren. Als einer der wenigen hat er die ganze Stadt im Blick, wenn er will. Als Einziger darf er nämlich der Kirche aufs Dach steigen. Wir dürfen ihm ausnahms­ weise folgen. Also die vielen Holz­ treppen rauf, endlos viele Stufen,

der Griff ums Geländer wird fester, wenn es eines gibt. Wir googlen schon mal den nächsten Hör­ geräte­Akustiker, für den Fall, dass die Glocken gleich loslegen. Was für ein erhabenes Gefühl zwischen Dach und Decke dieses altehrwür­ digen Ortes des Glaubens, an dem so viel geschehen ist. Speichern wir als Für­Immer­Moment. Und wieder runter, was leichter fällt. Allzu optimistische Gewichtsver­ lagerung nach vorn wäre jetzt nicht gut. Dieser Ort, dieser Job, dieser Typ – das passt.

Die letzte Frage behalten wir für uns: Warum sieht Joachim immer so froh und freundlich aus? Wenn die Antwort so nahe liegt, sind alle Fragezeichen überflüssig.


Dem toten Winkel den Kampf ansagen

21.09.2020

An eine Situation aus seinen mehr als 30 Jahren als Kraftfahrer erinnert sich Andreas Kernke besonders eindringlich. In England war das, Linksverkehr, verschärfte Bedingungen also für den Mann aus Emmerthal. Beim Abbiegen rammte er mit seinem Lkw einen Kleinwagen. „Ich habe den einfach nicht gesehen“, sagt Kernke – mehrere Meter habe er das Auto über eine Kreuzung geschoben, der Fahrer sei zum Glück unverletzt geblieben. „Das vergisst man nicht“, sagt Kernke heute – und beantwortet damit auch gleich die Frage, warum ihm seine Mission so wichtig ist.

Kernkes Mission: Kreuzungen sicherer machen. Für alle Verkehrsteilnehmer, vor allem aber: für die schwächsten. Im Straßenverkehr sind das meist die Radfahrer. So umsichtig man auch fährt, so penibel sich alle an Vorfahrtsregeln halten: Vor allem große Fahrzeuge wie Lkws, Sprinter, Linien- oder Reisebusse sind oft unübersichtlich, die Fahrer können direkt neben ihnen stehende oder fahrende Radfahrer oft nicht sehen – da hilft auch kein Schulterblick.

Die Lösung für dieses Problem ist rund, hängt in etwa drei Metern Höhe, kostet nur 120 Euro und heißt Trixi: Sechs von diesen „Trixi-Spiegel“ genannten Verkehrslupen hat die Stadt Hameln nun im gesamten Stadtgebiet angebracht, um Kreuzungen für Radfahrer sicherer zu machen. Gespendet hat sie Kraftfahrer Andreas Kernke – mit Hilfe seines Vereins „Allianz im deutschen Transportwesen e. V.“, aber auch aus privaten Mitteln. Nun übergab er die Spiegel an Oberbürgermeister Claudio Griese, der sich für das Engagements bedankte: „Es kann so einfach sein, den Verkehr für alle Teilnehmer sicherer zu machen.“

An vier Kreuzungen und Einmündungen im Stadtgebiet, die bislang für Radfahrer gefährlich waren, wird dem toten Winkel nun also der Kampf angesagt. An der Deisteralle/Ecke 164er Ring, am Bahnhofskreisel in Richtung Bahnhofstraße, am Hastenbecker Weg/Ecke Fluthamelstraße, am Mertensplatz/Ecke Süntelstraße sowie an der Kreuzung Süntelstraße/Wilhelm-Busch-Straße hängen die kleinen, effektiven Verkehrsspiegel nun. Die Standorte hat die Stadt gemeinsam mit Andreas Kernke und Busfahrern der Öffis ausgewählt.

Bleibt noch eine Frage offen: Warum eigentlich Trixi? „Mitte der 1990er Jahre wurde ein kleines Mädchen in Bayern von einem abbiegenden Betonmischer überrollt“, erklärt Kernke. Trixi, die eigentlich Beatrix heißt, überlebte – sitzt seit dem Unfall allerdings im Rollstuhl. Trixis Vater erfand daraufhin den Trixi-Spiegel. Und Menschen wie Andreas Kernke und der Verein „Allianz im deutschen Transportwesen e. V.“ sorgen seither dafür, dass wir Geschichten wie die von Trixi in Zukunft nicht mehr lesen müssen.


Hameln will Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

17.09.2020

Oberbürgermeister Claudio Griese hat angesichts der dramatischen Lage im griechischen Flüchtlingslager Moria angekündigt, Flüchtlingsfamilien in Hameln aufnehmen zu wollen. Insgesamt soll es sich um 20 Personen handeln. „Die humanitäre Katastrophe auf der Insel Lesbos fordert auch uns, schnell zu handeln und ein Zeichen für Menschlichkeit und Solidarität zu setzen“, sagte Griese.

Nach dem Feuer in dem Flüchtlingslager hatte sich die Lage auf Lesbos dramatisch zugespitzt. Mehr als 12.500 Menschen aus dem größtenteils zerstörten Lager stehen vor dem Nichts. „Es ist unsere moralische Verpflichtung, menschliche Not zu lindern“, betonte der Rathaus-Chef.

Die Stadt sei bereits seit mehreren Tagen in Gesprächen mit Wohnungsgesellschaften und privaten Vermietern, damit die für die Flüchtlinge benötigten Wohnungen bereitgestellt werden können. „Das ist im Moment noch unser Hauptproblem“, erklärte Griese. Der Wohnungsmarkt sei „praktisch dicht“, aber aufgrund der katastrophalen Lage in Moria wolle die Stadt trotzdem in einem einmaligen Akt alles tun, um denen zu helfen, die auf diese Unterstützung angewiesen seien.

Der Oberbürgermeister äußerte sich entsetzt über die Bilder, die uns aus Moria erreichen. „Was dort geschieht, darf uns nicht gleichgültig sein“, appelliert er an die Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig kritisiert er die Europäische Union, die seit Jahren wegsehe, während die Situation an den Außengrenzen der EU eskaliere. „Flüchtlinge leben in den Lagern unter menschenunwürdigen Umständen – aber dafür scheint sich auf europäischer Ebene kaum jemand zu interessieren.“

Wann die Flüchtlinge in Hameln eintreffen, ist nach Angaben der Stadt noch nicht bekannt. Die Verwaltung ist bereits gestern an den Landkreis herangetreten und hat sich formal zur Aufnahme der Flüchtlingsfamilien im Rahmen der festgesetzten Aufnahmequote bereit erklärt. Bis zur Ankunft in Hameln wird es nach Informationen aus dem Rathaus noch etwas dauern, da die Flüchtlinge sich zunächst in einer zentralen Aufnahmeeinrichtung in Quarantäne begeben müssten.


Stadtmagazin „angenehm!“ erscheint zum zweiten Mal

15.09.2020

Rattenfängerstadt, Weserstadt, Zentrum der Weserrenaissance, ein klein wenig abschätzig vielleicht noch: Puppenstube – Bezeichnungen für Hameln gibt es viele. Aber: Disneyland? Für diesen Vergleich braucht es vielleicht einen ganz speziellen Blick auf die Stadt. Den einer Frau von der amerikanischen Ostküste nämlich, die vor 38 Jahren zum ersten Mal nach Hameln kam, ihr Herz verlor – und blieb: Rachel Dohme. Biografien wie die von Rachel Dohme gibt es zahllose in unserer Stadt. Die Kampagne Hameln, angenehm hat sich zu Beginn des Jahres zum Ziel gesetzt, diese Geschichten zu erzählen. Für die Geschichten, die besonders ausführlich erzählt werden sollten, erschien im März zum ersten Mal „angenehm!“, Hamelns neues Stadtmagazin. Nun ist die zweite Ausgabe von „angenehm!“ erschienen – und auch sie erzählt auf 24 Seiten wieder von Umwegen, von Leidenschaften, gibt Einblicke in ungewöhnliche Biografien und gewährt Blicke hinter außergewöhnliche Mauern.

Das Stadtmagazin „angenehm!“ liegt überall in Hameln aus und darf gern kostenlos mit nach Hause genommen werden. Oder Sie lesen es direkt online: https://www.hameln-angenehm.de/magazin.html


Es geht wieder los

21.08.2020

Wir könnten an dieser Stelle nun ein Pamphlet veröffentlichen darüber, warum es hier in den letzten Monaten so still war. Oooder wir machen’s einfach kurz: Corona hatte uns fest im Griff. Aber: Bäm! Da sind wir wieder – und haben direkt etwas mitgebracht: Straight outta Kofferraum liegt die zweite Ausgabe unseres Stadtmagazins „angenehm!“ ab diesem Wochenende druckfrisch überall in Hameln aus. Die kostet nichts und ihr dürft sie gerne mit nach Hause nehmen!

Außerdem haben wir die Zwangspause genutzt, um hinter den Kulissen an einigem Neuen für euch zu arbeiten. Mehr verraten wir bald – jetzt macht euch erst mal ein angenehmes Wochenende! Und Lesen nicht vergessen!